Port Royal als Resonanzraum intellektuellen Widerstands: Blaise Pascal und Madame de Lafayette
Wann: Fr, 24.04.2026, 16:00 Uhr
Wo: Universität Hamburg, Edmund-Sievers-Allee 1, 20148 Hamburg, Emil-Artin-Hörsaal (ESA M)
Eine interdisziplinäre Begegnung zwischen Silke Segler-Messner und Ralph Kaufmann, moderiert von Franziska Kutzick.
Das Kloster Port Royal des Champs avanciert im 17. Jahrhundert nicht nur zu einem Resonanzraum für den Jansenismus, sondern auch für die kritische Auseinandersetzung um einen christlichen Lebensstil, der sich durch Verzicht und Entsagung kennzeichnet und gegen die zentralistische Kultur- und Gesellschaftspolitik abgrenzt. Dieses Kolloquium leuchtet diesen „Andersort“ in zwei komplementären Vorträgen literarisch und philosophisch aus.
Sicht I: Die literarische Retraite In La Princesse de Clèves problematisiert Madame de Lafayette die Tragfähigkeit eines jansenistischen Lebensmodells in der höfischen Gesellschaft . Die Schriftstellerin entwirft ein sehr kritisches Bild des Lebens am Hofe, das vor allem durch Intrigen und Täuschung gekennzeichnet ist. Die Protagonistin erkennt die Flüchtigkeit männlichen Begehrens und reflektiert ihre eigene Rolle kritisch. Ihr klösterlicher Rückzug (Retraite) am Ende des Romans, der an das Leben der Solitaires in Port Royal erinnert, wird zum souveränen Akt weiblicher Selbstbehauptung gegen die höfische Illusion.
Sicht II: Architektur der leeren Resonanz Blaise Pascal dekonstruiert das höfische Divertissement und baut sie gemäß seiner trois ordres um. Diese De- und Rekonstruction einer erfüllten Leere ist mit Pascal physikalisch, mathematisch und philosophisch zu sehen. Gegen das Chaos des Zufalls setzt er die Stochastik, die Wette Le Pari und den „Automaten“. Diese Elemente stehen im direkten Bezug zu Port-Royal und seiner konkreten, symbolischen und katalysierenden Wirkung.
Das Gespräch wird auf Deutsch geführt.