Über-Blick – Kurzvideos zur Geschichte des Hochbunkers auf dem Heiligengeistfeld

Foto: Thomas Weber
Der Hochbunker auf dem Heiligengeistfeld ist ein neuer Publikumsmagnet – seine Geschichte jedoch komplex. Studierende machen Forschung in kurzen, vor Ort abrufbaren Videos zugänglich und eröffnen Besucher:innen neue Perspektiven auf diesen historischen Ort.
Seit seiner Neueröffnung im Sommer 2024 zieht der ehemalige Flakturm auf dem Heiligengeistfeld täglich Tausende Besucher:innen an. Doch trotz dieses großen Interesses fehlte vor Ort eine niedrigschwellige, wissenschaftlich fundierte Einordnung der komplexen Geschichte des Bauwerks – vom nationalsozialistischen Prestigebau über seine militärische Nutzung im Zweiten Weltkrieg bis hin zu den vielfältigen Nachnutzungen.
Das Projekt „Über-Blick“ setzte genau hier an. Im Sommersemester 2025 entwickelten Studierende der Geschichts- und Medienwissenschaften in einem gemeinsamen Seminar acht Kurzvideos, die zentrale Aspekte der Bunkergeschichte aufgreifen. Die Inhalte basieren auf eigenständiger Recherche, Archivarbeit und dem aktuellen Forschungsstand. Über QR-Codes entlang des öffentlich zugänglichen Bergpfads sowie über eine begleitende Website und YouTube sind die Videos dauerhaft abrufbar.
Kooperationspartner war der gemeinnützige Verein Hilldegarden, der als Stadtteilinitiative die Begrünung und den Umbau des Bunkers angestoßen hat und von der Stadt Hamburg mit der Einrichtung eines Erinnerungsorts beauftragt wurde. Als ehrenamtlich getragene Initiative verfügt der Verein nur über begrenzte Ressourcen. Die Zusammenarbeit ermöglichte es, wissenschaftliche Expertise und bürgerschaftliches Engagement zu verbinden und so ein informatives Angebot für eine breite Öffentlichkeit zu schaffen. Die acht Videos sind seit dem 10. Oktober 2025 freigeschaltet und rechtlich langfristig gesichert. Bereits fünf Tage nach Veröffentlichung verzeichneten sie rund 16.000 Aufrufe – ein deutlicher Hinweis auf den Bedarf an fundierter historischer Einordnung. Ergänzt wurde die digitale Veröffentlichung durch eine öffentliche Präsentation im Bunker selbst.
Aus einem Seminarprojekt ist damit ein dauerhafter digitaler Erinnerungsort entstanden. Das Vorhaben wird ohne zusätzliches Budget in weiteren kooperativen Lehrformaten fortgeführt. Geplant sind mehrsprachige Versionen, zusätzliche Dokumente und vertiefende Videoformate. Das Projekt zeigt, wie universitäre Lehre unmittelbar zur öffentlichen Geschichtsvermittlung beitragen kann: Studierende werden zu Produzent:innen wissenschaftlich fundierter Inhalte, zivilgesellschaftliche Initiativen erhalten fachliche Unterstützung – und Besucher:innen eines stark frequentierten Ortes gewinnen Zugang zu differenziertem historischen Wissen.
Transferprojekt
- Thomas Weber