Legal Tech Innovationen für das GemeinwohlStudentisches Reallabor

Foto: Anton Sefkow
Wie kann Technologie den Zugang zum Recht verbessern? Studierende entwickeln im Reallabor digitale Prototypen für juristische Praxisprozesse – und schaffen Lösungen für eine effizientere und gemeinwohlorientierte Rechtspraxis.
Digitale Technologien verändern die juristische Praxis, doch viele Arbeitsprozesse sind weiterhin stark analog geprägt. Das studentische Reallabor „Legal Tech Innovationen für das Gemeinwohl“ an der Universität Hamburg macht diese Herausforderung zum Lern- und Innovationsraum. Studierende analysieren reale juristische Arbeitsabläufe und entwickeln daraus digitale, nutzerzentrierte Prototypen. So lernen sie, juristisches Wissen in konkrete Lösungen zu übersetzen und digitale Transformation aktiv mitzugestalten.
Das Projekt knüpft an Seminare mit NGOs an, in denen Studierende gemeinwohlorientierte Organisationen bei der Strukturierung und Digitalisierung ihrer Arbeitsabläufe unterstützten. In der hier beschriebenen Projektphase wurde der Ansatz erweitert: Gemeinsam mit der Wirtschaftskanzlei Graf von Westphalen arbeiteten Studierende erstmals an einem realen Anwendungsfall. Sie untersuchten Prozesse bei der Erstellung von Baurechtsverträgen und entwickelten prototypische digitale Werkzeuge, die diese Arbeit strukturieren und unterstützen können. Damit zeigte das Reallabor, dass studentische Projektarbeit sowohl gemeinwohlorientierte Organisationen stärken als auch Innovationen für eine professionelle Rechtspraxis hervorbringen kann.
Methodisch arbeiteten die Studierenden mit Legal Design Thinking und nutzerzentrierter Prozessanalyse. In Interviews mit Anwält:innen rekonstruierten sie Arbeitsabläufe, identifizierten Entscheidungspunkte und modellierten daraus digitale Workflows. So entstanden prototypische Expertensysteme, die juristische Logik und Prüfpfade digital abbilden.
Die Wirkung des Projekts zeigt sich gleich auf mehreren Ebenen. Studierende erwerben Kompetenzen an der Schnittstelle von Recht, Digitalisierung und Innovation und erleben sich als aktive Mitgestalter juristischer Praxis. Für die Kanzlei entstehen neue Perspektiven auf bestehende Prozesse sowie erste Ansätze für digitale Unterstützung. Gleichzeitig zeigt das Reallabor, welches Potenzial in transferorientierter Lehre liegt: Universität und Praxis entwickeln gemeinsam Lösungen für die digitale Zukunft des Rechts.
Transferprojekt
- Anton Sefkow