Plurale Ökonomik und sozial-ökologische TransformationWirtschaft anders denken lernen

Foto: Rouven Reinke
Wirtschaft prägt gesellschaftliche Entscheidungen – doch ökonomische Perspektiven bleiben oft einseitig. Das Projekt bringt Studierende mit Praxisakteur:innen zusammen, um Wirtschaft plural zu denken und Kompetenzen für sozial-ökologische Transformation zu entwickeln.
Wirtschaftswissenschaften prägen politische Entscheidungen, Unternehmensstrategien und öffentliche Debatten in besonderem Maße. Gleichzeitig ist ihre Lehre häufig von einer begrenzten methodischen und theoretischen Perspektive geprägt. Dieses Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Wirkmacht und inhaltlicher Einseitigkeit bildete den Ausgangspunkt des Projekts „Plurale Ökonomik und sozial-ökologische Transformation“ am Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg.
Denn gerade in Zeiten ökologischer Krisen, sozialer Ungleichheit und ökonomischer Umbrüche stellt sich die Frage neu: Welche Annahmen liegen eigentlich wirtschaftspolitischen Entscheidungen zugrunde? Welche Perspektiven fehlen? Und wie können Studierende lernen, ökonomisches Wissen nicht nur anzuwenden, sondern kritisch einzuordnen? In den angebotenen Kursen wurde diese Frage nicht abstrakt verhandelt, sondern im Dialog mit Akteur:innen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis. Gemeinsam mit dem Netzwerk Plurale Ökonomik e.V. sowie Referent:innen aus Think Tanks, NGOs und Gewerkschaften wurden klassische ökonomische Theorien mit konkreten politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen verknüpft.offen
Studierende setzten sich mit unterschiedlichen wirtschaftstheoretischen Ansätzen auseinander und diskutierten deren praktische Implikationen mit Personen, die an realen Transformationsprozessen arbeiten. So entstand ein Lernraum, in dem ökonomisches Wissen nicht als neutrale Technik, sondern als gesellschaftlich wirksame Deutungsform sichtbar wurde.
Die Wirkung des Projekts liegt weniger in kurzfristig messbaren Ergebnissen als in einer veränderten Perspektive: Studierende wurden dafür sensibilisiert, wirtschaftswissenschaftliche Modelle nicht einfach als Wissensinhalten, sondern als normative und politische Interventionen zu verstehen. Gleichzeitig wurde ein institutioneller Raum geschaffen, in dem alternative ökonomische Ansätze diskutiert und mit gesellschaftlicher Praxis verschränkt werden können. Ob und wie die Teilnehmenden diese Perspektiven langfristig in ihre berufliche Praxis hineintragen, wird sich erst zeigen. Sicher ist jedoch: Das Projekt hat dazu beigetragen, die Einseitigkeit ökonomischer Lehre nicht nur zu kritisieren, sondern konkrete Erfahrungsräume für eine pluralere, reflexive Ökonomik zu eröffnen.
Transferprojekt
- Rouven Reinke