Refugee Law Clinic HamburgRechtsstaatlichkeit praktisch wirksam machen

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Zugang zum Recht entscheidet über Schutz und Perspektiven. In der Refugee Law Clinic beraten ausgebildete Studierende Geflüchtete kostenlos und leisten so einen konkreten Beitrag zu Rechtsstaatlichkeit und Teilhabe.
Asyl- und aufenthaltsrechtliche Verfahren sind komplex. Sprachbarrieren, fehlende Beratung und zunehmende rechtliche Einschränkungen führen dazu, dass Rechte zwar formal bestehen, in der Praxis jedoch oft nicht durchgesetzt werden können. Der Zugang zum Recht wird so zur zentralen Voraussetzung gesellschaftlicher Teilhabe – und zur Frage demokratischer Verlässlichkeit. Die Refugee Law Clinic Hamburg, verankert an der Universität Hamburg, setzt genau hier an. Unter der Leitung von Prof. Dr. Gabriele Buchholtz und koordiniert von Jara Al-Ali und Lina Marie Tietze werden jährlich rund 25 Studierende zu Rechtsberater:innen und etwa 20 Personen zu Dolmetscher:innen ausgebildet. Sie bringen ihr Wissen unmittelbar in die Praxis ein und bieten kostenfreie, niedrigschwellige Beratung an.
Die Beratung findet bewusst dort statt, wo Geflüchtete ankommen und leben: an der Universität Hamburg, im Thalia Theater in Altona und in unmittelbarer Nähe der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Hamburg-Rahlstedt. Besonders der Standort an der Erstaufnahme ermöglicht rechtliche Orientierung zu einem Zeitpunkt, an dem entscheidende Weichen für den weiteren Aufenthaltsverlauf gestellt werden. Im Jahr 2025 konnten 403 Menschen aus mindestens 43 Herkunftsländern beraten werden. Über die individuelle Rechtsberatung hinaus wirkt das Projekt in die Stadtgesellschaft hinein. In öffentlichen Veranstaltungsreihen wurde diskutiert, welche Instrumente das Recht im Umgang mit rechtspopulistischen Entwicklungen bietet und welche Verantwortung Wissenschaft und Zivilgesellschaft tragen. Workshops wie „What the fact“ stellten migrationspolitischen Mythen wissenschaftliche Fakten gegenüber und trainierten argumentatives Handwerkszeug gegen populistische Narrative. Eine weitere Veranstaltung setzte sich kritisch mit der Einführung der Bezahlkarte in Hamburg auseinander.
Die Wirkung zeigt sich auf mehreren Ebenen: Geflüchtete erhalten konkrete Unterstützung bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Studierende erwerben praxisnahes juristisches Wissen und übernehmen gesellschaftliche Verantwortung. Zivilgesellschaftliche Organisationen werden enger vernetzt und arbeiten koordiniert zusammen. So wird universitäre Lehre zu einem Ort gelebter Rechtsstaatlichkeit. Die Refugee Law Clinic Hamburg trägt dazu bei, dass Recht nicht nur auf dem Papier steht, sondern im Alltag zugänglich und wirksam wird.
Transferprojekt
- Team der RLC Hamburg